"Geheimes" Abenteuer Der Jettenhöhlenschreck
Herzberg/Osterode (jos) Der strenge Naturschutz verbietet heutzutage private Erkundungstouren der bei Düna gelegenen Jettenhöhle. In vergangenen Zeiten lockte die im Hainholz zwischen Osterode und Herzberg liegende Höhle viele "Abenteurer" an, die hier auf aufregende Entdeckungstouren gingen.. Der nachfolgende Bericht stammt von W. Rottländer aus dem Jahr 1954 und ist der Jubiläumsfestschrift "50 Jahre Verein ehemaliger Osteroder Pennäler" entnommen. Der Erzähler gibt eine Begebenheit aus dem Jahr 1886 wieder:
"15 Tertianer ballten sich einst, 1886, um einen Oberanführer zusammen, um das Grauen der Jettenhöhle zu entschleiern. Die meisten waren 12 - 14 Jahre, der Oberanführer aber 17, für die Kleinen ein Erwachsener. Er rauchte schon. Sonst war's aber der rechte; immer lachte er und machte Witze, hieß auch Lachwitz und war "aus der Altenau". Jeder mußte ein Licht mitbringen. Lachwitz selbst stiftete zwei Knäuel Bindfäden. Nach heißem Marsch kam man vor der Höhle an. Dreien war der Mut bereits entfallen. Aber der Feldherr Lachwitz, ihre Schwäche edel verdeckend, kommandierte sie dazu, ein Feuer vor der Höhle zu unterhalten und die Wache zu bilden. Schnell begann die Höhlenwanderung. Als auch das zweite Bindfadenknäuel zu Ende war, ward auf dem letzten Ende ein Steinturm errichtet. Auf den würde man bestimmt wieder stoßen. Wankend weiter ging es im Fackelschein. Als die weiten unheimlichen Grotten zu Ende schienen, kehrten man um. Wie entsetzlich lange kam den Kindern das Suchen nach dem Bindfaden vor! Als Lachwitz plötzlich kommandierte: "Sechs Lichter aus. Wir müssen haushalten"; da zog böses Ahnen in die schwachen Herzen. Vom Gehen kam man ins Hasten, man stieß und rutschte sich blutig beim Klettern über drei Meter hohe Felsen, beim Vorbeidrücken an unheimlichen tiefen grünhellen Wassern, hierhin, dahin, vielleicht im Kreise, bis der Oberführer hielt und rief: "Wir haben uns verirrt, faßt euch alle gegenseitig an. Noch 3 Lichter aus!" Nun weiter angstschweißtriefend. Viele Stunden däuchte allen der Verzweiflungsmarsch, mehrere weinten schon. Nach endlosem Suchen wieder eine Abschlußwand. Niemand mehr wußte Rat. Lachwitz hob seinen Arm und rief: "Kniet alle nieder, laßt uns beten!" Dann, als sie zitternd auf dem spitzen Geröll knieten: "Lieber Gott im Himmel, hilf uns aus dieser schrecklichen Not und führe uns wieder ans Licht, rette uns, rette uns, du grundgütiger Gott. Amen!" Das Gebet half aber auch rein gar nicht, die Selbstbeherrschung der letzten war dahin. Nur der tierische Erhaltungstrieb jagte weiter. 10 Std. glaubte man schon herumzuziehen, weil man wohl immer im Kreis gegangen war, als einer schrie: "Ich sehe Licht!" Wahrhaftig; Lichtschimmer, Höhlenausgang! Mit tosendem Geschrei stürzte man empor, ins Freie. Einen befiel Ohnmacht. Von den 3 verdutzten Wachjungens erfuhr man, dass man nur 2,5 Stunden in der Höhle gewesen sei. Auf dem Rückmarsch machte der siegreiche Lachwitz dicht vor Osterode, bei den drei Linden, halt, ließ einen Kreis bilden, machte ein Gesicht wie beim Höhlengebet und rief: "Schwört mir alle, dass keiner was von dem Geschehenen zu Hause sagen wird! Alle schworen's. Am nächsten Morgen wußte es die ganze Stadt."

Quelle: KURT Das Magazin für Osterode, Herzberg, SG Hattorf vom16.04.2003

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