Die niemals errichtete Luttertalsperre

Proteste der Bürger waren erfolgreich

Glaube an Wasserknappheit: Die Harzwasserwerke wollten die Luttertalsperre bauen

Es war im Spätsommer 1971. Da wurde der Rat der Stadt Bad Lauterberg mit Plänen der Harzwasserwerke (HWW) konfrontiert, in einem der schönsten Täler rund um die Kneippstadt eine neue Talsperre bauen zu wollen: die Luttertalsperre. In den Folgejahren wurde dieses Vorhaben genauso, wie der Plan, im Siebertal eine Siebertalsperre zu bauen, lebhaftig in der Südharzer Bevölkerung diskutiert. Zu beiden Talsperren ist es dann aufgrund der heftigen Proteste der Bevölkerung und Widerstand der Kommunen nicht gekommen. Die Stadt Bad Lauterberg sprach sich einstimmig gegen den Bau einer Luttertalsperre aus.

Der damalige Leiter der HWW, Dr. Martin Schmidt, verfolgte ehrgeizig dieses Ziel und sah in den Folgejahren eine Wassernot kommen, wenn man nicht rechtzeitig durch den Bau weiterer Talsperren im Harz vorbeuge. Mit den bestehenden sechs Talsperren im Westharz, so hieß es, ließen sich rund 45 Prozent der Westharzfläche „im Abfluss beherrschen“. Doch die HWW wollten gern auf rund 70 Prozent kommt. Es sei Auftrag der HWW, so Schmidt seinerzeit, sorgfältig voraus zu planen. Seine Prognose im November 1979: „In zehn bis fünfzehn Jahren wird das Harzwasser knapp.“ Für den Widerstand im Südharz gegen die Talsperrenpläne hatte er dagegen kein Verständnis. Schmidt damals wörtlich: „Die sind ganz und gar gegen neue Talsperren, aber mit den vorhandenen werben sie auf Teufel komm raus.“

In einer Versammlung des CDU-Stadtverbandes Bad Lauterberg im März 1984 sage der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Frank Seeringer auf einen Artikel im „Harz Kurier“ angesprochen, dass die Landesregierung keine Absicht habe, im Luttertal eine weitere Harztalsperre zu bauen. Er selbst sehe auch keine Veranlassung dafür, weil der Wasserverbrauch stagniere.

Dagegen bestätigte schon einige Wochen später in einer Versammlung des SPD-Ortsvereins Bad Lauterberg Dipl.-Ing. Tonn von den Harzwasserwerken, dass man an den Planungen für eine Luttertalsperre festhalte, weil diese richtig und wichtig sei. Tonn schränkte nur ein, dass in „absehbarer Zukunft“ an eine Verwirklichung des Projektes nicht zu denken sei, weil es hierzu von politischer Seite keine Zustimmung gebe.


In dieser Karte war die Luttertalsperre als neue Harzer Trinkwassertalsperre bereits als geplant enthalten. REPRO: HK

Der Vertreter der HWW machte damals deutlich, dass die 50 Mio. Kubikmeter Wasser, die eine Luttertalsperre aufnehmen sollte, nicht allein aus dem Luttertal, sondern auch aus der Odertalsperre, der Sperrlutter und anderen Einzugsgebieten gespeist werden müsste.
Den damaligen Plänen der HWW, die nach den Protesten aus dem Südharz vom Land Niedersachsen „vom Tisch genommen wurden“, sahen vor, dass die Stauung der „Geraden Lutter“ bis zum Hübichental in Richtung Knollen und die der „Krummen Lutter“ bis zum Großen Klingental reichen sollte. Danach sollte in Höhe des jetzigen Forstamtes Kupferhütte ein Staudamm zwischen dem Großen Heibeekskopf und Kummelberg entstehen. Stauziel: 390 Meter NN.

Einen konkreten Schritt unternahm dann die Bürgerinitiative Bad Lauterberg. Sie erhob gegen ein laufendes Planfeststellungsverfahren der HWW Einwendungen bei der Bezirksregierung in Braunschweig. Der Vorsitzende der BI, Herbert Rudolphi, schrieb damals dazu: „Das Tal der Lutter, das sich in Kupferhütte in zwei Täler, das Gerade und Krumme Luttertal teilt, gehört wegen seiner landschaftlichen Schönheit und Besonderheit zu den beliebtesten Wandergebieten im Südharz. Man kann besonders das Tal der Geraden Lutter, das das Wandergebiet am Großen Knollen, dem Brocken des Südharzes, erschließt, als einmalig in seiner parkähnlichen Bachlandschaft bezeichnen. Was hier an seltenen und erhaltenswerten Pflanzen gedeiht soll im Einzelnen nicht aufgeführt werden. Für das Kneippheilbad Bad Lauterberg ist dieses von unseren älteren Kurgästen viel besuchte Gebiet unverzichtbar.

Im Einzugsgebiet von Bad Lauterberg gibt es bereits drei Talsperren: Die Odertalsperre, den Oderteich und den Wiesenbeker Teich. Eine vierte Talsperre wird von niemandem benötigt...“ Die Bürgerinitiative nahm den Punkt auch mit der Überschrift „Keine Luttertalsperre!“ in ihr damaliges Wahlprogramm zur Kommunalwahl auf. Schließlich gab es Pläne, das Fassungsvermögen der Odertalsperre zu erhöhen. Auch diese Planungen wurden später fallengelassen.

GPS-Koordinaten
N 51.6420° E 10.4603°

nach einem Artikel im HarzKurier 2001

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