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Die Kirchenbücher, vor allem die des 17. Jahrhunderts, reden eine derbe Sprache. Sie nennen die Dinge beim Namen. Unerbittlich streng ist die Kirchenzucht, auch in diesem Jahrhundert des politischen und moralischen Verfalls unseres Volkes.

Oktober 1602:

"Marten Hanken ist wegen seines unchristlichen Wesens und verstockter Bosheit und daß er sich weder zur Kirche noch zu dem heiligen hochwürdigen Sakramente gehalten, ohne alle Zeremonien vor dem Kirchhof begraben worden."

Februar 1644:

"Cratz - - seine Frau, die wilde Sau genannt, ist ohne Gesang und Klang wegen Verachtung göttlichen Wortes und des hochwürdigen Sakramentes als eine wilde Sau zu Grabe gebracht worden."
1603 wird Heinrich -, der ein Verhältnis mit seines Großvaters Bruders Tochter Kind hatte, auf Befehl eines Ehrwürdigen Consistorii zu Wulfenbüttel, in der Kirche zu Herzberg getrauet. Darauf sie ferneren Angesichts aus unseres gnädigen Fürsten Fürstentum und Herrschaften in Ewigkeit sind vertrieben worden.

Am 29. März 1650 ist Andreas -- zu Osterode ausgestäupet und ewig des Landes verwiesen worden. Er hatte ein Verhältnis mit seiner Schwägerin.

Nun, beide Sünder brauchten keine weiten Wege zu machen: Gieboldehausen lag schon im Ausland. Im ganzen 17. Jahrhundert ereignet sich nur ein Selbstmord. Von 1598 bis 1674 geschehen in Hattorf zehn Morde.

Im April 1598 wird Ernst Barke oder Hildebrandt zu Tode gehauen beim Kruckhofe von Hans Müller, Jakob Meyers Knecht.

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