Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


269. Kyffhausen-Unterburg, Burgruine. Frankenhausen, Staatsforst Kyffhäuser, Kr. Artern (Landratsamt Frankenhausen), Bez. Halle (Schwarzburg-Rudolstadt).

Name: Kyffhausen-Unterburg, Kyffhäuserunterburg.

Meßtischblatt: 2600/4532 Kelbra; S 6,1; O 14,7.

Allgemeine Lage: Auf dem nördlichen Kamm des Kyffhäusergebirges über dessen Abschwung nach Osten (Nabelgau).

Örtliche Lage: 400 m NN auf Verbreiterung des Schmalen Bergkammes, als Endglied der Kyffhäuser-Burgenkette.

Baugrund: Oberkarbonischer Arkosesandstein mit altpaläozoischen Geröllen (Konglomerat).

Baumaterial: Rotsandstein (Karbon) als glattes Quadermauerwerk mit waagerecht durchlaufenden Lagerfugen, innen Füllmauerwerk.

Beschreibung: Die Kyffhäuser-Burgenreihe stellt ein geschlossenes Ganzes dar, in Ost-West-Richtung folgen aufeinander Unterburg, Mittelburg, östliche Oberburg, westliche Oberburg, die Unterteilung besorgen Halsgräben, die Gesamtlänge der ganzen Anlage beträgt, zwischen den äußersten Grabenrändern gemessen, ca. 610 m bei nur mäßiger Durchschnittsbreite von ca. 50 m. Unter-, Mittel-, Oberburg, diese mit ihren beiden Abschnitten, stellen drei vollkommen selbständig ausgebildete Burgen dar und sind daher eine jede für sich zu besprechen.

Ihrem baulichen Charakter nach erscheint die Unterburg als der Hauptwohn- und Verwaltungssitz. Burgplatz 56X87 m, ursprünglich ovale, romanische Frühanlage, die nach der Zerstörung 1118 dadurch erheblich verändert wurde, daß die Ring-Mantelmauer auf der ganzen Nordseite gerade durchgefluchtet wurde. Sie knickt an ihren beiden Enden fast rechtwinklig um, verläuft über die halbe Ost- und Westseite ebenfalls geradfluchtig und geht dann erst wieder in das alte Oval über. Ihre Höhe betrug über 10 m bei 1,5 m Dicke. Das auf diese Weise umfriedete Burginnere wird in Richtung Nord-Süd durch eine 1,4 m dicke Quermauer in einen West- und einen Ostteil geschieden. Zugang zu ersterem von Westen her durch tonnenüberwölbtes Kammertor mit eingezogenen Flanken, daneben kleines unterkellertes Wachthaus. Im Westteil freistehender runder Bergfried von 11 m Durchmesser und 3,5 m Mauerdicke, als Stumpf von 5 m Höhe erhalten. Südlich an die dort ovale Ringmauer und an die Quermauer angefügte Wohn- und Wirtschaftsbauten in Kellern und Fundamenten überkommend und anscheinend der ersten romanischen Bauperiode nach 1050 angehörend. Nordöstlich, im Winkel zwischen Quermauer und begradigter nördlicher Ring-Mantelmauer, ein 11X12 m messender turmartiger Palas, dessen Außenwand die Ringmauer bildet und der daher in die zweite Bauperiode nach 1118 zu setzen ist. Auf seine Grundrißtiefe ist die alte Quermauer abgebrochen und durch eine Kaminwand ersetzt, die gleichzeitig die westliche Giebelwand der Burgkapelle darstellt. Die Kapelle steht vollkommen im Ostteil der Burg und füllt, analog dem Palas, den Winkel zwischen Quermauer und nördlicher Ring-Mantelmauer, der sie aufsitzt, auch sie kann erst nach 1118 entstanden sein. Sie ist, da im aufgehenden Mauerwerk großenteils erhalten bildbestimmend für die ganze Unterburg. Die Kapelle besteht aus einfachem Schiff, rechteckigem Altarraum und halbrunder Apsis, gesamte Innenlänge i. L. 14,5 m. Im Ostteil, der Kapelle nahe, freistehender Rundturm von 11,45 m Durchmesser und 1,1-1,55 m Mauerdicke, nur als Stumpf erhalten. In seinem Innern halb ovaler Einbau. Zweckbestimmung dieses Turmes umstritten (Bergfried, Gefängnis, Rundkapelle?). Im übrigen Ostteil, dem Zuge der Ringmauer folgend, Keller, Fundamente von Wohn- und Wirtschaftsbauten, in der Mitte Zisterne. Die Unterburg war durch Außenwerke weiter gesichert. Westlich Halsgraben gegen die Mittelburg, östlich und südlich eine Trockenmauer mit Gebäudefundament (Wachthaus?) und weit vorgeschobenem äußeren Graben am Ostabfall des Bergrückens.

Geschichte: Geschichtlich wird die Burg immer als Ganzes genannt, eine besondere Behandlung von Ober-, Mittel- und Unterburg entfällt. Die Daten werden daher im vorliegenden Abschnitt „Unterburg“ gegeben. Vorgeschichtliche Besiedlung und Burgwall durch G. Neumann erschlossen. Ausbau zur mittelalterlichen Burg vermutlich im 10. Jh., mit wachsender Bedeutung der nahen Kaiserpfalz Tilleda zum Schutz derselben. Die heutige Prägung als dreiteilige Anlage vielleicht unter den Saliern besonders durch Heinrich IV. (1056-1106) im Rahmen seines Burgenbauprogrammes veranlaßt. Reichsburg, 1118 zerstört im Kampf Heinrichs V. (1106-1125) mit den sächsischen Fürsten. Baldiger Wiederaufbau mit Verstärkungen, besonders der Oberburg, bei der staufischer Einfluß zu erkennen ist. Noch vor 1150 muß die Burg wieder gestanden haben (Konrad III., 1138-1152), die Anteilnahme Friedrichs I. (1152-1190) spricht aus Baubefund und Überlieferung. 1153 genannt der Ministeriale Gerewich de Cuphese. Noch unter Heinrich VI. (1169-1197) dürfte Kyffhausen mitsamt Tilleda eine wichtige Basis dargestellt haben, wie die Aussöhnung Heinrichs VI. mit Heinrich dem Löwen 1194 zu Tilleda zeigt. Mit Heinrich VI. schwindet der kaiserliche Glanz sowohl aus Tilleda als auch aus Kyffhausen, letzteres sinkt von der Reichsburg zur Feudalburg minderen Ranges herab, wenn auch die bauliche Substanz einstweilen weiter gepflegt wurde. 1290 erscheinen die Grafen v. Beichlingen als von Rudolf v. Habsburg ernannte „Burggrafen“ im Lehensbesitz, der mit Absinken der Kaisermacht tatsächlich ein feudaler Eigenbesitz wird, unbeschadet formal noch bestehender Lehensverhältnisse. 1347 fällt Kyffhausen mitsamt Rothenburg pfandweise an die Grafen v. Hohnstein, 1373 an die Landgrafen v. Thüringen, von diesen wiederum pfandweise 1378 an die Grafen v. Schwarzburg, 1407 wurde die Pfandschaft in ein thüringisches Lehen umgewandelt und Kyffhausen verblieb bei Schwarzburg. Die überalterten Befestigungen der Burg wurden nicht mehr ergänzt, die strategische Bedeutung schwand. 1433 ließ Heinrich v. Schwarzburg die Kapelle der Unterburg als „Kapelle zum Heiligen Kreuz“ mit zwei Altären ausstatten (Maria, Peter und Paul) und machte sie zum Wallfahrtsort; aus dieser Zeit stammen die gotischen Umbauten an dem anstoßenden Palas, die Burg hatte ihre Rolle als solche bereits ausgespielt, sie verfiel, bis mit der Reformation auch die Kapelle verlassen wurde.

Funde: Zahlreiche Keramiken und Metallgegenstände des 12.-15. Jh. (Ausgrabungen G. Neumann, 1934-1938, Kyffhäusermuseum).

Lit. u. Abb.: Ann. Pegav. S. 253; Annal. Saxo S. 755 zu 1118; CdSr I A2 Nr. 246; Dob. Reg. II Nr.50; B.u.KDm.Thüringen V S. 55 ff. Gr. u. Abb., Baugesch. S. 32 ff.; Anemüller, 1891 S. 8 f., Gr.; Grimm, 1958 Nr. 11 K. Abb.42, Taf. 17 a-b; Stein, 1950 S. 16 f., 39 f., 48 f., 51, 56 ff., 63, 93, 96 ff., Abb. 2; Stolberg, Vermess. Unterburg Gr. 1:200; Tillmann, S. 549; Wäscher, 1962 S. 109 ff., Mittelburg S. 111, Abb. 337 (Ges. Gr.), 338 Schnitt ges., 339-348, 349 Gr., Abb., Rekonstr. 354; Mrusek, S. 33, 67.

GPS-Koordinaten
N 51.4127° E 11.1123°

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