Der Höhlenforscher Dr. Ing. Friedrich Stolberg schrieb 1968 in seinem Buch
„Befestigungsanlagen im und am Harz von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“


422. Stauffenburg, Burgruine. Münchehof, Ortsteil Stauffenburg, Kr. Gandersheim, Bez. Braunschweig.

Name: Stauffenburg, Staufenburg bei Gittelde, Stauffenberg (Tillmann).

Meßtischblatt: 2302/4127 Seesen; S 10,0; W 0,4.

Allgemeine Lage: Westliches Harzvorland im Zuge der alten Thüringer Straße (Liesgau).

Örtliche Lage: 346 m NN auf einem nach Süden vorspringendem Bergkegel eines in Gipfel aufgelösten Höhenzuges, 3 km südsüdwestlich Münchehof und 2,5 km nordwestlich Gittelde.

Baugrund: Unterer Muschelkalk.

Baumaterial: Muschelkalk, Buntsandstein, Gips als Bruchstein und Quadern in Gipsmörtel.

Beschreibung: Die Oberburg (Hauptburg) auf allseitig steil abgeböschtem Burgplatz von ca. 30X85 m Ausdehnung. Aufgeteilt in: Südöstlich Burghof mit Nebengebäuden, nordwestlich Palas und Wohnbauten, vor diesen nordöstlich schmaler, 30 m langer Torzwinger, der am verschwundenen Tor beginnt und in den Burghof ausmündet. Rechtes Torgewänd noch vorhanden, dazu Grundmauer eines halbrunden Torflankenturmes. Palas und Wohnbauten nehmen den höchsten Teil des Burgplatzes ein und laufen gegen Westen in eine, nach Art einer Bastion herausgezogene, scharfe Ecke aus, die hier die Angriffseite schirmt. Zur weiteren Sicherung ist zwischen der scharfen Ecke und dem Burgtor ein halbrunder Geschützturm (15. Jh.) vor die Ringmauerflucht gestellt. Auf der Südwestseite des Burghofes, in der Ringmauerflucht, der quadratische Bergfried, ca. 7X7 m, im Untergeschoß von einer Spitztonne überwölbt, nur als Stumpf erhalten, Außenwand abgestürzt. Nennenswerte Reste der Ringmauer nur noch auf der Nordostseite des Burghofes erhalten. Alles übrige, besonders Palas usw., im Zustand stärksten Verfalles, der Einzeldeutungen gegenwärtig unmöglich macht. Rund um die ganze Oberburg (Hauptburg) herum und ca. 20 m tiefer als jene die terrassierte Unterburg, 10-20 m breit, nach Art eines Zwingers; eine Vertiefung auf der Südwestseite könnte den Brunnen bezeichnen. Keinerlei Mauerreste, Merian 1654 gibt als Umwehrung der Unterburg nur Pallisaden an. Westlich, die Unterburg abschließend und von der Oberburg durch breiten, tiefen Halsgraben getrennt, ein künstlich abgeböschter und terrassierter Vorhügel von ca. 20X30 m Fläche, auf dem eine ungewöhnlich große Linde, die „Eva-Linde“ (vgl. Geschichte), wächst. Am Fuß des Vorhügels Ringgraben mit Vorwall. Gesamtlänge der Burganlage 200 m bei 90 m größter Breite.

Geschichte: Erbauung der Burg auf ehemaligem Reichsgut vermutlich durch die Grafen v. Katlenburg nach 1050 in Zusammenhang mit der Eigenschaft der Katlenburger als Reichsvögte des nahen Hüttenortes Gittelde (vgl. dort). Eigener Adel (Ministerialen) bezeugt: 1130 Gerbertus de Stouphenburch; nach Aussterben der Grafen v. Katlenburg die Burg als Erbe an die Welfen, in Person Heinrichs des Löwen. Die Ministerialenfamilie v. Stauffenburg bleibt weiterhin auf der Burg ansässig. 1180, nach Heinrichs des Löwen Sturz, Kaiser Friedrich I. Barbarossa, als unmittelbarer Herr. 1193 übergibt Kaiser Heinrich VI. den welfischen Besitz in und um Gittelde dem Erzstift Magdeburg. Von den Welfen nicht anerkannt, die sich als die rechtmäßigen Eigentümer weiterhin betrachteten. 1254 wieder kaiserliche Burgmannen: Gunzelin v. Wolfenbüttel, Reichstruchseß Ottos IV. und Friedrichs II., sein Sohn nennt sich „Guncelinus de Stoyphonborg“. Nach Erlöschen der v. Wolfenbüttelschen Macht und Eroberung von Wolfenbüttel und Asseburg durch den welfischen Herzog Albrecht ist 1258 die Stauffenburg wieder in welfischer Hand. Zuerst die Göttinger Linie. 1318 verpfändet an Hildesheim; 1360 vorübergehend oberlehensherrliche Ansprüche des Stiftes Gandersheim begründet aus liudolfingischem Erbe (nahebei der Heinrichswinkel). 1361/1364 überfällt Albrecht, Vogt zur Stauffenburg, den Ort Langelsheim. 1429 erneuert Gandersheim noch einmal seine Ansprüche auf die Burg, die aber fortan in welfischem Besitz bleibt, mit besonderer Bedeutung als Amtssitz, Gerichts- und Verwaltungsmittelpunkt für die Berg- und Hüttenwerke des nahen Gittelde. 1495-1522 Glanzzeit der Stauffenburg als Witwensitz der Herzogin Elisabeth, Gemahlin Herzog Wilhelms des Jüngeren. Sie zog Bergleute und Stahlschmiede aus Ellrich und Stolberg nach Gittelde und nach Grund, auch stärkerer Ausbau der Burg. Eva v. Trott, Geliebte Herzogs Heinrichs des Jüngeren von Wolfenbüttel, wurde ab 1524, nach Scheinbegräbnis zu Gandersheim (!), vom Herzog auf der Stauffenburg verborgen; 1532 bis 1541 wohnte sie dauernd dort und gebar dem Herzog 10 Kinder. 1569 bis 1580 Ruhesitz der Schwester des Herzogs Julius Margarete. 1588 starb auf der Burg Margarete v. Warberg, erste protestantische Fürstäbtissin von Gandersheim, die verdächtig war der Tötung eines illegitimen Kindes von ihr und dem Stiftsverwalter, weshalb sie hier inhaftiert war. Hiermit schließt die hochpolitische Rolle der Stauffenburg als Fürstinnensitz und Staatsgefängnis. 1626 Besetzung durch kaiserliche Truppen anläßlich der Verfolgung Christians IV. von Dänemark. 1713 wird der Amtssitz aus der Burg hinab verlegt in das Vorwerk Lichtenhagen, fortan Domäne Stauffenburg, wo ein neues Amtshaus errichtet wurde. Die Burg, ihres Glanzes beraubt, verödete; 1776 wird noch von halbverfallenen Zimmern berichtet. Diente zuletzt noch als Gefängnis, bis auch dieses 1778 unten in der Domäne seinen Platz fand. Die Burg als Steinbruch benutzt. Merians Stich 1654 zeigt noch die Burg in wohlerhaltenem Zustand mit Ringmauer, Palas, Bergfried, Wirtschaftsgebäuden, teilweise mit Fachwerkaufbauten. Besonders dargestellt ist auch der Vorhügel, noch ohne die „Eva-Linde“.

Lit. u. Abb.: Merian, Topogr. 1654 mit Abb.; B.u.KDm. Braunschweig 5 S. 348 ff. Abb. Merian Gr.; Hdb. d. Hist. St. D., Niedersachsen 1960 S. 378 f.; Gottschalck, 1823 S. 334 f.; Hoffmann, 1836 S. 112 f.; Max, ZHV 2 H. 2 1869 S. 114 f., 126; Tillmann, S. 1032 Atl. K.27 b.

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